Die Erweiterung des historischen Ensembles tritt in einen sensiblen Dialog zwischen Alt und Neu, ohne die ursprüngliche Bauweise zu verändern. Geplant war eine Ergänzung um etwa ein Drittel der bestehenden Fläche sowie die Schaffung einer neuen Zugangszone im nördlichen Grundstücksbereich. Die ursprünglich vorgesehenen Stallungen sind integraler Bestandteil der städtebaulichen Ordnung und wurden daher erhalten, wodurch die charakteristische Höhenentwicklung und die räumliche Struktur des Ensembles bewahrt bleiben.
Der Entwurf erhält die Substanz des Bestands, lässt die Patina sichtbar und setzt damit einen bewussten Kontrast zum neu errichteten Dachaufbau in Leichtbauweise, der hochwertige Nutzungen aufnimmt. Sekundärbereiche im Bestand erfordern keine thermische Sanierung, während die Übergänge zwischen Alt und Neubau klar definiert und thermisch getrennt sind.
Die ehemalige Dachstruktur der Stallungen wurde durch einen neuen Aufbau ersetzt, der historische Elemente aufgreift, interpretiert und auf unterschiedliche funktionale Anforderungen reagiert. Die Hofflächen wurden von Parkplatzflächen in Grünbereiche verwandelt und zentral neu bepflanzt. Bestehende Erschließungen des Hauptgebäudes wurden gestärkt und zu einer kompakten Zone für Infopoint, Nebenfunktionen und vertikale Verbindungen zusammengeführt, während Zugänge zum Gesundheitsamt unverändert blieben. Die neuen Räume orientieren sich an einem Nord-Süd-Verlauf als Einhüfter, im rückwärtigen Bereich als zweihüftige Bürostruktur. Direkt darunter befinden sich die Archivbereiche, weitere Nebenräume wurden sinnvoll in den verbleibenden Flächen integriert.
Die Umsetzung überzeugt auch ökonomisch: Durch die Nutzung vorhandener Strukturen konnte die neue Kubatur reduziert und Baugrubenkosten minimiert werden. Abbruch- und Entsorgungskosten beschränkten sich auf das Dach, dessen hochwertiges Altholz wiederverwendet wurde. Die Sanierung des Stadelgebäudes erfolgte in enger Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt überwiegend strukturerhaltend. Durch die Integration bestehender Erschließungen innen wie außen wurde Barrierefreiheit effizient umgesetzt, und die System-Leichtbauweise verkürzte die Bauzeit und reduzierte Beeinträchtigungen des laufenden Betriebs auf ein Minimum.
(Fotos: © Rainer Wührer; © Croce & Wir, Graz)