Das Wettbewerbsgebiet liegt auf einem großzügigen innerstädtischen Areal zwischen Hasnerplatz im Westen und Grabenstraße im Osten. In nahezu zentraler Lage befinden sich die Gebäude des Paulinums sowie das neue Caritas-Schulzentrum. Die architektonisch-städtebauliche Aufgabe besteht daher vor allem in der Verbindung zum Bestand und in einer sensiblen Situierung neuer Baukörper innerhalb dieses Ensembles.
Die Stellungnahme der Altstadt-Sachverständigenkommission beschreibt das historische Ensemble aus Paulinum, Brücke, Park und straßenseitigem Zaun in seiner Beziehung zum gegenüberliegenden Barockgebäude als schützenswert. Daraus ergibt sich eine wesentliche Rahmenbedingung für das Projekt: Eine Bebauung entlang der Grabenstraße ist ausgeschlossen, wodurch der Bereich vor dem Paulinum freizuhalten ist. Neue Baukörper können daher nur im nördlichen beziehungsweise westlichen Teil des Grundstücks entstehen.
Der Entwurf sucht bewusst den städtebaulichen Dialog mit dem Bestand und rückt nahe an das Paulinum heran. Ziel ist die Errichtung eines zentralen Verwaltungsgebäudes in funktionalem Zusammenhang mit dem historischen Gebäude. Durch eine Erweiterung in zwei Richtungen bleibt die Bebauung weiterhin punktförmig und fügt sich in den baulichen und lärmtechnischen Schatten des Bestands ein. Gleichzeitig ermöglicht die entstehende Zwischenzone einen Niveauausgleich zwischen Schulzentrum und Paulinum und leitet in einen südlich gelegenen Vorplatz über.
Künftig wird das Gelände verkehrstechnisch vor allem über die nördliche Grundstücksgrenze erschlossen, wodurch die gesamte südliche Zone weitgehend verkehrsfrei bleibt. Die Bereiche rund um Paulinum, Schule und Brücke können so als platzartige Freifläche gestaltet und in den Parkraum integriert werden.
Im Inneren steht der Dialoggedanke auch im räumlichen Konzept im Mittelpunkt. Funktionsflächen werden an das Paulinum angelagert, wodurch ein dreihüftiger Gebäudetyp entsteht. Der zentrale historische Raum sowie der nördlich dahinterliegende Bereich werden dabei geschossweise einbezogen und teilweise zu öffentlichen Zonen wie Seminar- oder Besprechungsräumen umorganisiert. Die Abteilungen sind rund um diese Mitte organisiert und weisen ähnliche Distanzverhältnisse auf – lange, dunkle Gänge werden vermieden.
Die Annäherung an den Bestand erfolgt durch eine zweiseitige Ergänzung, wodurch ein äußerst sparsamer Umgang mit den Flächen erreicht wird. Vorsprünge an West- und Nordseite definieren die Abstände des neuen Bauteils. In den entstehenden Zwischenräumen werden Erschließungs-, Ausstellungs- und Kommunikationszonen untergebracht.
Ein wesentliches Leitmotiv des Projekts ist die Idee der Schwellenlosigkeit. Das Gebäude soll Offenheit signalisieren, Barrieren abbauen und Dialog ermöglichen. Durch das Abrücken zweier Hüllflächen in Form eines L-förmigen Winkels öffnet sich das Haus sowohl zur Grabenstraße als auch zum südlichen Vorplatz. Besucherströme aus Richtung Hasnerplatz und Grabenstraße werden so in eine neue „Zwischenzone“ geführt, die als zentraler Begegnungsraum dient.
Besonders öffentlich orientierte Bereiche wie Welthaus, Angehörigenberatung, internationale Hilfsprogramme sowie ein Shop sind im Erdgeschoss angeordnet und können unabhängig vom übrigen Betrieb erschlossen werden. Gleichzeitig öffnet sich das Gebäude nach Westen zum Schulzentrum hin und schafft eine ruhige Freizone mit Terrasse auf gleichem Niveau.
Auch ökonomische und ökologische Aspekte prägen das Konzept. Die angestrebte Einheit von Altbau und Erweiterung wird durch eine zweiseitige thermische Sanierung des Bestandes, kompakte Baukörper und einen geringen Flächenverbrauch unterstützt. Die vorgebaute Struktur behandelt das Paulinum mit besonderer Sensibilität und lässt seine Fassaden weiterhin erlebbar bleiben. In der Gestaltung wird der Dialog zwischen Alt und Neu sichtbar, indem Geschosshöhen und Proportionen des Bestandes aufgenommen und übersetzt werden.
Technisch setzt das Konzept weitgehend auf natürliche Klimatisierung. Aufgrund der großen Bestandsflächen wird für Bürobereiche keine mechanische Lüftung vorgesehen; lediglich Seminarzonen werden entsprechend ausgestattet. Natürliche Querlüftung sowie die Möglichkeit zur nächtlichen Auskühlung ergänzen die haustechnischen Maßnahmen.
Auch der äußere Auftritt folgt diesem Ansatz des respektvollen Dialogs. Eine neue Fassadenebene wird vor den Bestand gestellt und interpretiert dessen Struktur neu. Die offene Gestaltung der Gebäudeecken erhält die Lesbarkeit des historischen Baukörpers und schafft gleichzeitig eine zeitgemäße architektonische Hülle.
Die Gestaltung verfolgt dabei eine schlichte und ehrliche Ästhetik. Transparenz, Licht und Luft werden zu zentralen Gestaltungselementen, während die neue Hülle den Altbau energetisch verbessert und zugleich schützt. Das Haus öffnet sich bewusst zur Stadt, zur benachbarten Schule und zur umliegenden Wohnbevölkerung – als offenes Gebäude, das Begegnung ermöglicht und die sozialen Aufgaben der Caritas auch räumlich sichtbar macht.